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Atemschutz-Notfallrettungsgruppe der Feuerwehr Emden
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Damit reagiert die Freiwillige Feuerwehr Emden auf die veränderten Rahmenbedingungen bei Atemschutzeinsätzen. „ Das ist eine Innovation, die es meines Wissens so in Nord-Westdeutschland noch nicht gibt“, sagte Stadtbrandmeister Bernd Lenz. Meldungen über verletzte oder gar tödlichen verunglückte Atemschutzgeräteträger bewogen die Emder dazu, zum Schutz der eigenen Rettungskräfte, eine Spezialgruppe zu gründen. Die ersten Vorgespräche zur Gründung einer solchen Gruppe fanden erst im November des letzten Jahres statt. „Heute, knapp ein Vierteljahr später, können wir auf eine sechs Mann starke, gut ausgebildete und leistungsfähige Gruppe zurückgreifen, die ab sofort in der Lage ist im gesamten Stadtgebiet, wenn nötig, eine Notfallrettung durchzuführen", so Lenz.
Möglich wird dieses durch sechs freiwillige Feuerwehrmänner der Ortsfeuerwehr Wybelsum/Logumer-Vorwerk: Julian Okken, Lars Nanninga, Andreas Mammen, Otto Rötgers, Tammo Bleeker, Thomas Goos sowie die Ausbildungsleiter Frithjof Hanßen und Volker Winckelmann.
„Brannte es früher häufiger, sind die Brände im Vergleich zu damals zurück gegangen aber auch unberechenbarer geworden". Heute erreichen Brände in viel kürzerer Zeit hohe Temperaturen, Zum einen liegt dieses an der veränderten Bauweise moderner Gebäude, zum anderen ist die Ausrüstung immer besser geworden. Früher spürte man die Hitze und zog sich zurück. „Die neuen Einsatzbekleidungen, die die Einsatzkräfte tragen, bieten extrem guten Schutz vor Flammen und Hitze, berichtet Volcker Winckelmann. Das hat aber auch Nachteile sagen die Ausbildungsleiter. „ Man kann ein Gebäude betreten, wird aber allen Sinnen beraubt – nur das Tasten bleibt“.
Jedes Mitglied der Spezialgruppe absolvierte die, für diese Spezialausbildung vorgeschriebenen 18 Stunden, plus vier Zusatzstunden und lernten so die verschiedensten Rettungstechniken im theoretischen- und praktischen Teil berichtet der Ausbildungsleiter Frithjof Hanßen. Ihr Können konnten die Einsatzkräfte am vergangenen Sonnabend vor der geladenen Presse, während eines Vorstellungstermins, in der Hauptfeuerwache in der Brückstrasse, unter Beweis stellen. In voller Montur bahnten sie sich, kriechend auf allen Vieren, den Weg durch eine Werkstatt, eine Treppe hinauf in das Obergeschoss, wo es galt eine verunfallte Person zu retten. Um das Szenario so realitätsnah wie möglich zu gestalten, hatten die Ausbilder den Einsatzkräften Plastiktüten über die Atemschutzmasken gestülpt.
„Die Sicht ist fast Null“, so Ausbilder Hanßen. Der psychische Stress könne für die Retter extrem stark werden, sagte Winckelmann. „ Kameraden zu retten, die man vielleicht persönlich kennt und auf die zu Hause Frau und Kinder warten ist eine sehr schwere Aufgabe“. Die erschwerten Arbeitsbedingungen im Einsatzfall kommen dazu. Aufgeregt ist jeder in so einer Situation. Wichtig ist, den Puls wieder „auf Null“ zu fahren“, so Hanßen.
„Am schlimmsten ist nichts zu sehen“, so die eingesetzten Retter. Trotz des realitätsnahen Szenarios finden die Ehrenamtlichen Helfer ihren verunglückten „Kameraden“ bei der Übung am Sonnabend. Optisch und akustisch macht ein Bewegungslosmelder, den jeder Atemschutzgeräteträger an der Einsatzkleidung mit sich führt, auf die Position der Pumpe aufmerksam. Trainiert werden die Mitglieder der Atemschutz-Notfallrettungsgruppe darauf, zu zweit handlungsfähig zu sein. Hanßen:„ das ist unser Ziel. Jeder weitere Helfer der dabei ist, ist eine Erleichterung.“ Ist der verunglückte Kamerad gefunden, ist es zunächst einmal wichtig, die Sauerstoffversorgung wieder herzustellen. Etwa eine halbe Stund reicht eine Sauerstoffflasche, je nach Belastung im Einsatzfall, deshalb gehört der Wechsel der Flasche des Verunglückten mit zur Übung. Alle 14 Tage, wird sich die Gruppe um Hanßen und Winckelmann treffen, um ihre persönlichen Fähigkeiten weiter zu optimieren. Hierfür wird auch die Brandgewöhnungsanlage, welche die Emder Feuerwehr unterhält, genutzt werden. „In dieser Anlage sind Übungen mit „echtem Feuer" bei Temperaturen von 300 bis 800 Grad Celsius möglich", so Winckelmann.
Alarmiert werden die Atemschutz-Notfallretter durch das Lage- und Führungszentrum Emden automatisch bei jedem Gebäudebrand im gesamten Stadtgebiet. Hierfür stehen den Notfallrettern zwei Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Die 1500 Euro teure Spezialausrüstung der Notfallretter soll in diesem Jahr noch um eine Wärmebildkamera ergänzt werden, ebenso sind noch kleinere Umbauarbeiten an den beiden Einsatzfahrzeugen nötig.
In einem Bereitschaftsplan ist festgelegt, wer die Besetzung der Notfallrettungsgruppe übernimmt. So wird sichergestellt, dass zu jeder Zeit mindestens zwei Notfallretter bei einer Alarmierung ausrücken können.
So unwahrscheinlich ist ein Rettungsfall nicht. Lenz berichtete von einem Dachstuhlbrand bei dem vor etwa zwei Jahren, zwei Kameraden der Emder Feuerwehr während eines Dachstuhlbrandes, von einer Durchzündung, einem sogenannten „Flash-over“, überrascht und zum Glück nur leicht verletzt wurden. Hätten sich die Einsatzkräfte damals nicht selbständig retten können, wäre dieses eine klassische Situation für die Atemschutz-Notfallretter gewesen“. (c) Joachim Riese, Feuerwehr-Pressesprecher
Die Einsatzfahrzeuge der AGT-Notfallrettungsgruppe: